|
|
Seine Antwort lautete: "Allerdurchlauchtigster, grossmächtigster Kaiser, durchlauchtigste Fürsten, gnädigste und gnädige Herren! Auf die Bedenkzeit, mir auf gestrigen Abend ernannt, erscheine ich gehorsam und bitte durch die Barmherzigkeit Gottes Eure Kaiserliche Majestät um Gnaden, daß sie wollen, wie ich hoffe, diese Sachen der Gerechtigkeit und Wahrheit gnädiglich zuhören, und so ich von wegen meiner Unerfahrenheit... wider die höfischen Sitten handle, mir solches gnädig zu verzeihen als einem, der nicht an fürstlichen Höfen erzogen, sondern in Mönchswinkeln aufgekommen.
Dieweil aber ich ein Mensch und nicht Gott bin, so mag ich meine Büchlein anders nicht verteidigen, denn so auch mein Herr Jesus Christus seine Lehre unterstützt hat: `Habe ich übel geredet, so beweise es.`(Joh. 18,23) Derhalben bitte ich durch die Barmherzigkeit Gottes Eure Kaiserliche Majestät um Gnaden, oder aber alle andern Höchsten und Niedrigen mögen mir Zeugnis geben, so sie mich meines Irrtums überführen, oder aber mich mit prophetischen und evangelischen Schriften überwinden. Ich will auf das allerwilligste bereit sein, so ich dessen überwiesen werde, alle Irrtürmer zu widerrufen und der allererste sein, meine Bücher in das Feuer zu werfen; aus welchem allem ist, meine ich, offenbar, dass ich genügsam bedacht, erwogen und ermessen habe die Gefahr, Zwietracht, Aufruhr und Empörung, so wegen meiner Lehre in der Welt erwachsen ist... Wahrlich, mir ist es das Liebste zu hören, daß wegen des göttlichen Wortes sich Misshelligkeit und Uneinigkeit erheben; denn das ist der Lauf, Fall und Ausgang des göttlichen Wortes, wie der Herr selbst sagt: `Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert`(Matth. 10,34) ... Darum müßen wir bedenken, wie wunderbar und schrecklich unser Gott ist in seinen Gerichten, auf daß nicht das, was jetzt unternommen wird, um die Uneinigkeit beizulegen, hernach, so wir den Anfang dazu mit Verdammung des göttlichen Wortes machen, vielmehr zu einer Sintflut unerträglicher Übel ausschlage; bedenken müssen wir und fürsorgen, daß nicht diesem jungen, edlen Kaiser Karl, von welchem nächst Gott vieles zu hoffen ist, ein unsehliger Eingang und ein unglückliches Regiment zuteil werde. Ich könnte dafür reichliche Beispiele aus der Heiligen Schrift bringen, von Pharao, vom König zu Babel und von den Königen Israels, welche sich gerade dann am meisten Verderben bereitet haben, wenn sie mit den klügsten Reden und Anschlägen ihr Reich zu befriedigen und zu befestigen dachten. Denn der Herr ists, der die Klugen erhascht in ihrer Klugheit und die Berge umkehrt, ehe sie es innewerden; darum tuts Not, Gott zu fürchten.
Weil denn Eure Majestät und die Herrschaften eine einfache Antwort begehren, so will ich eine geben, die weder Hörner noch Zähne hat, dermassen: Wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder helle Gründe würde überwunden werden (denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien allein, weil feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben), so bin ich überwunden durch die von mir angeführten Schriften und mein Gewissen gefangen in Gottes Worten; widerrufen kann ich nichts und will ich nichts, weil wider das Gewissen zu handeln beschwerlich, unsicher und nicht lauter ist. Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen."
|
|